VISUELLES TAGEBUCH EINES REISENDEN – SULAWESI/INDONESIEN & PHILIPPINEN 2026

Sulawesi - Sengkang Lake Tempe

INDONESIEN SULAWESI – Lake Tempe & Tana Toraja

Christine und ich flogen von Bali nach Makassar, der Hauptstadt von Sulawesi. Ein Zwischenort. Laut, hektisch. Ausgangspunkt.

Sulawesi liegt im Übergangsbereich zwischen dem Pazifik und Indischen Ozean. Die indonesische Insel ist rau und abgelegen. Die Insulaner sind außergewöhnlich freundlich, herzlich und hilfsbereit. Sie begegnen uns mit ehrlichem Interesse und großer Offenheit. Von Makkasar führt uns ein kleine Straße nach Sengkang, über schlechte Pisten, vorbei an Dörfern, Feldern, Menschen. Wir leben einige Tage auf einem Floating House auf dem Lake Tempe. Fischer ziehen im Morgengrauen ihre Netze ein. Wir bewegen uns leise durch diesen Alltag. Wir beobachten. Ich fotografiere Menschen in ihrem Umfeld – ohne Inszenierung.

Im Hochland von Tana Toraja verändert sich alles. Die Landschaft wird dramatisch, die Luft kühler. Hier begegnen wir zuerst dem Tod. Ich fotografiere Totenfeiern, die sich über mehrere Tage erstrecken. Verstorbene bleiben oft monatelang oder jahrelang im Haus der Familie. Einbalsamiert. Versorgt. Anwesend. Die Zeremonien sind groß, intensiv, gemeinschaftlich. Büffel und Schweine werden geopfert und der Abschied wird sichtbar. Christine und ich besuchen zahlreiche Grabstätten, einige davon hunderte Jahre alt. Kete Kesu und Londa ist einer der bedeutendsten Orte. Bis zu 800 Jahre alte Särge hängen regungslos an einer steilen Felswand. Totenschädel sind allgegenwärtig, offen und sichtbar. Der Tod ist hier kein Ende, sondern Erinnerung.

Einige Tage später fotografiere ich eine Hochzeit. Auch sie wird in großem Stil gefeiert. Familien kommen zusammen. Rituale, Musik, Gemeinschaft. Das Leben steht im Mittelpunkt.

Auf dem Bolu-Markt in Rantepao werden Büffel, Schweine und Hühner gehandelt. Tiere für Rituale, für Abschied, für Status.

 

 

INDONESIEN – SULAWESI BANGGAI INSELN

 

Nach einer 14-stündigen Reise mit Bus und Flugzeug erreichten Christine und ich das kleine Küstenstädtchen Luwuk im äußersten Osten von Zentralsulawesi. Schon beim Landeanflug lag das Meer wie ein silbriges Tuch unter uns – ein Versprechen auf das, was kommen sollte. Von dort setzten wir mit der Fähre nach Leme Leme über, im Osten der Banggai-Inseln.


Mein Ziel war eine fotografische Reportage über die Bajau – jene legendären Seenomaden, die seit Generationen im Einklang mit dem Ozean leben. Doch bevor die Arbeit begann, gönnten wir uns in Poganda drei Tage an einem traumhaften Strand.

Weiter Richtung Süden in Panenteng bezogen wir für einige Tage das Blessing Homestay, das direkt über dem Meer auf Stelzen gebaut war. Bereits dort fand ich einige Bajau Häuser vor, wo einige Familien lebten.

Mit dem Auto ging es für 5 Stunden weiter über die Insel Peleng bis nach Tobing. Von dort brachte uns ein Speedboot auf die Insel Banggai Laut. In ihrer Hauptstadt Banggai spürte man noch das ruhige Tempo des Insellebens. Weiter nördlich fanden wir im Kia Homestay eine einfache Unterkunft, die uns für einige Tage als Basis diente.


Mit einem kleinen Moped fuhr ich immer wieder in das Bajau-Dorf Popisi. Die Bajau, oft als „Nomaden des Meeres“ bezeichnet, leben traditionell in einfachen Stelzenhäusern über dem Wasser. Ihr Alltag ist untrennbar mit dem Meer verbunden. Schon die Kinder lernen früh schwimmen, tauchen und mit dem Boot umgehen. Viele Männer fischen noch heute mit Harpune oder Netz, manche tauchen ohne technische Hilfsmittel in erstaunliche Tiefen. Das Meer ist ihr Lebensraum, ihre Speisekammer, ihr spiritueller Mittelpunkt.


Was mich besonders berührte, war ihre Offenheit. Trotz der Abgeschiedenheit begegneten mir die Menschen mit ehrlicher Neugier und Herzlichkeit. Ihre Gesichter erzählen Geschichten von Wind, Sonne und Salz. Jede Falte, jedes Lächeln trug Spuren eines Lebens im Rhythmus der Gezeiten.


Auch im Dorf Gong Gong fand ich eindrucksvolle Motive – ursprüngliche Szenen, fernab jeder Inszenierung. Hier lebt man einfach, reduziert auf das Wesentliche. Kein Überfluss, kein Lärm – nur Meer, Himmel und das tägliche Ringen um den Fang.


Der Rückflug von Banggai Laut nach Luwuk in einer kleinen Propellermaschine dauerte nur 35 Minuten und ersparte uns eine neunstündige Schiffsfahrt. Aus der Luft wirkte die Inselwelt wie verstreute Smaragde im türkisfarbenen Wasser – ein letzter fotografischer Eindruck, der sich unauslöschlich einprägte.

Für mich waren die Banggai Inseln weit mehr als eine Reportage. Es war eine Begegnung mit Menschen, die im Einklang mit den Elementen leben – stolz, genügsam und tief verwurzelt in ihrer Tradition. Als Fotograf durfte ich nicht nur Bilder machen, sondern Vertrauen gewinnen. Und genau das sind am Ende die wertvollsten Aufnahmen: jene, die nicht nur das Auge, sondern auch das Herz berühren.

Von Luwuk aus fuhren wir schließlich mit einem Privatwagen weiter nach Ampana, wo bereits das nächste Abenteuer wartet.